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Menschen in Kriegssituationen - Authentizität und Perspektivenwechsel im Geschichtsunterricht der Klassen 10R

Was prägt Menschen im Krieg? Werden Menschen durch Krieg verändert und wenn ja, was genau verändert sich? Diese und ähnliche Fragen bestimmen derzeit den Geschichtsunterricht der 10. Jahrgangsstufe im R-Zweig. Die Schülerinnen und Schüler gehen auf Spurensuche in der Vergangenheit, indem sie sich mit authentischen Quellenmaterialien wie Tagebuchnotizen, Feldpostbriefen, Zeichnungen und Fotos aus der Zeit der beiden Kriege intensiv auseinandersetzen. Hierbei versuchen sie exemplarisch eine Identifikation mit Menschenschicksalen in diesen extremen Lebenssituationen herzustellen. Ob als 17-jähriger Soldat an der Front bei Kälte und Hunger im Schützengraben von Verdun, als Mutter, als Geliebte, als Schwester, als Ehefrau in der Heimat oder auch als ein Mensch auf der Flucht vor Willkür der Machthaber in der NS-Diktatur, verfolgt und vertrieben aufgrund von Rasse, jüdischer Herkunft oder politischer Einstellung - Schüler von heute übernehmen Empathie und Perspektivenwechsel.

Unterstützt und bereichert wurde das Unterrichtsgeschehen von Ulrike Jürgens, ehemalige Schülerin der Deutschen Schule Rio de Janeiro und erfahrene Journalistin aus Wien, die am Mittwoch, 31. Mai 2017, Schülern der 10. Klasse ihr derzeitiges Arbeitsfeld vorgestellt hat. In ihrer wissenschaftlichen Forschungstätigkeit beschäftigt sich Ulrike Jürgens vor allem mit zeitgeschichtlichen Themen mit dem Fokus auf Flucht und Exil. Aktuell ist die ehemalige Radio- und Fernsehmoderatorin auf Spurensuche der jüdischen Familie Klagsbrunn, die im Jahre 1938 aus Wien vertrieben wurde und via Portugal schließlich im März 1939 in Brasilien eine neue Heimat fand. Einer der beiden Söhne, Kurt Klagsbrunn (1918-2005), gehörte in den 1940er und 1950er Jahren zu den wichtigsten Gesellschaftsfotografen und Chronisten der Stadt Rio de Janeiro. Ulrike Jürgens berichtete nicht nur inhaltlich von ihrer Arbeit, sondern erklärte den Schülern auf sehr anschauliche Weise die Schwierigkeiten methodischen Arbeitens und den Umgang mit authentischen Quellenmaterialien. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sollen in eine halbstündige Radiosendung und eine TV-Dokumentation einfließen. Die Reise nach Brasilien wurde vom Zukunftsfonds der Republik Österreich finanziell unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler bedanken sich bei Ulrike Jürgens für ihren spannenden Vortrag.

Koordinatoren

Klassen 9 bis 12 R

Markus Häder

Klassen 9 bis 12 C

Francisco Linhares

Erziehungsberaterinnen

Klassen 9 bis 12 R

Vanessa Klevenhusen

Klassen 9 bis 12 C

Clarice Dahis